Teil 1
Von der verblassenden Wut
…. hin zur Trauigkeit. Meister Li meinte neulich, die Milz sei Ursache für Traurigkeit. Also, die Fehlfunktion, nehme ich an. Wir reden nur zwischen Tür und Angel, er gibt seine Ansichten nach Beobachtungen ab. Er ist Mediziner der Traditionellen Chinesischen Medizin.
Als ich soeben das Wasser aufkochen ließ, und nebenher in der Küche etwas aufräumte, wurde mir klar, dass es heute wieder Zeit geworden sein würde, zu schreiben. Ich hatte eine wochenlange Pause eingelegt, und hatte vorgestern mein Familienuniversum bearbeitet – heute also meine persönliche Arbeit hier. Es waren verschiedene Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, und ich weiß auch gar keine Einzelheiten mehr. Nur das Wort und das damit verbundene Gefühl der Schwermut blieb haften. Schwermut. Und das zu einer Zeit, in der Nachrichten über getötete Menschen an mir vorbeigleiten, als hätte ich Wasser über eingeölte Haut geschüttet. Nun ja, es sind so Tage zurzeit, da ich scheinbar – nach Wochen der emotionalen Schwerstarbeit – Gefühle unterdrücken muss, um weiter existieren zu können. Und wer schon mal langfristig Gefühle unterdrückt hatte, weiß vielleicht, das hat mit existieren nur insofern zu tun, als das man dahin vegetiert – gewissermaßen.
Ja, Gefühle unterdrücken, um zu existieren. Denke ich zurück an den Tag beim Kardiologen neulich, als ich zum wiederholten Mal die Geschichte meiner Namensänderung erwähnte, und auf jemanden traf, die nicht mitdenken wollte, fauchte ich sie derart an, dass selbst ich überrascht war. Es ging glimpflich aus. Frauen gegenüber so aufzutreten, heißt meist, daraufhin Verständnis retourniert zu bekommen. Das ist schon ein riesiger Vorteil, allerdings wohl auch nur dann, wenn die Karten offen auf dem Tisch liegen. Danke vielmals.
Schwermut. Wenn Wut sich also aufmacht, und versiegt, und an anderer Stelle als Quelle der Traurigkeit wieder empor quillt. Ist das so? Würdest du das unterschreiben? Ich bin nicht so ganz sicher, mit solchen Posttraumatischen Belastungsstörungen habe ich im Grunde wenig Erfahrung, wenngleich dies die dritte ist. Also habe ich relativ viel Erfahrung damit. Okay.
Jedenfalls wurde mir dann klar, als ich mich Südwest-orientiert, wie von der Autorin des traditionell ausgerichteten Feng-Shui-Buches empfohlen, hinsetzte, und schreiben wollte, dass es nicht ausreicht, nach dieser Pause, Buch II heute zu vervollständigen, da mittlerweile zu viel passiert war. Auch das Thema wäre verfehlt. Deshalb: Buch 3. Herzlich Willkommen.
Lustig ist allerdings, dass seit diesem Jahr, seit dem Bewusstsein über diese toxisch geführte Beziehung zu mir durch meinen Adoptivvater, Analogien auftauchen, im Alltag, die das Verständnis eben über die aktuelle Situation erleichtern und direkt zugänglich machen. War es also zunächst die Beziehung zwischen Europa und den USA, ist es seit gestern der ziemlich verstopfte Abfluss des Waschbeckens in meiner Küche. Das bringt mich nun wirklich zum Schmunzeln. Die Parallelen sind verblüffend, und die Lösungsansätze wirklich vergleichbar. Das macht es ja so lustig. Aber vielleicht muss man es erleben, um es zu verstehen. Ich weiß es nicht genau.
Jedenfalls hatte ich heute einen weiteren Termin – mit verändertem Hintergedanken allerdings – bei meiner aktuellen Psychologin verabredet. Und prompt reagierte mein Unterbewusstsein mit einer milden Angstattacke. Gut. Vorletzte Woche, nach dem ich ihre Praxis verließ, hatte ich mit einer schwerwiegenden Angstattacke zu leben. Das war was. Doch ich hielt und halte am Termin fest. Warum? Fragte ich mich auch. Ganz einfach, das Problem des „Was-genau-will-ich-eigentlich?“ abzugehen im Sinne von Aufarbeitung durch bewusste Veränderung, und nicht durch Vermeidung und Komplettverweigerung. Jedenfalls halte ich es für sinnvoll, die therapeutische Beziehung anzupassen. Nicht mehr zurück in der Zeit zu gehen, und schauen und erzählen, was los war, sondern eben aktuelle und akute Probleme angehen, (davon gibt es genug), und darüber sprechen. Das klingt nach einer Strategie, mit der ich dann auch ganzheitlich leben kann. Getestet hatte ich die Frau ja jetzt genug. Meine Güte.
Eine etwas bittere Erkenntnis kam dadurch allerdings zum Vorschein: Das Thema Traumatisierung ist abgeschlossen. Zumindest das erste schwere Trauma, die sadistisch sexuellen Übergriffe auf mich sind versiegelt. Ich hatte ein, zwei Momente der Trauer und Traurigkeit, und Wehmut nach, was wäre wenn das nicht passiert wäre, doch es ist Geschichte. Punkt.
Schweres Trauma zwei: Die toxische Beziehung…. ? Tja, was soll ich sagen? Ein Kranker, der Menschen manipuliert, und ich als hochgradig sensibler Junge und mittlerweile Mann, reagierte mit aller Konsequenz und brach nicht, aber veränderte mein Wesen. Was kann man dagegen tun? Nichts. Zumindest nicht viel. So ist das Leben. Doch den Namen will ich nicht mehr tragen. Punkt.
Schweres Trauma drei: Zwangsweises verabreichen von zwei Mal 10 Milligramm Beruhigungsmittel, überflüssigerweise, und erstmalige Fixierung an ein Bett über neun Stunden. Das. Ist. Nicht. Vorbei. Danke. Doch was kann ich dagegen tun? Allein? Allein, nicht viel. Andere, Gehilfen sozusagen, müssen ihre Dienste vollziehen, in Form von Unterstützung über Lösungswege und zu erfahrende Wiedergutmachungen, Juristinnen und Juristen möglicherweise. Das ist die Krux in einem Rechtsstaat. Man wird verdammt zum Unterdrücken von Gefühlen, und zum Strategisieren. Das kann Spaß machen, wenn man darin geübt ist, doch es kann schnell ausarten. Man ja mit Wahnsinnigen zu tun. Im wahrsten Sinne des Wortes. Den Gründungsvätern – wenn auch nur indirekt – der Rechtsstaatlichkeit, in Verbindung mit Bürokratie.
Von der verblassenden Traurigkeit
Teil 1
…. hin zu Kopfentscheidungen. Oder durch Kopfentscheidungen? Verblassende Gefühle, durch Kopfentscheidungen? Hm, … was wie ein Wortspiel klingt, ist ein Holzweg. Tatsächlich funktioniert alles ganz normal, wenn man davon ausgeht, dass alle Erkenntnisse und Ereignisse der letzten vierzehn Monate nicht stattgefunden haben. Und somit alles beim alten. Ist oder wäre. Ein Schlamassel. Tatsächlich ist meine Stimmung aktuell schwierig zu ermitteln, da Kopfentscheidungen oft zu negativen Gefühlen führen.
Ja, wer freut sich denn da? Schon klar. Sollte er es lesen, wird jetzt wahrscheinlich viel gelächelt. So zumindest kenne ich das. Gelächter nun weniger, mittlerweile vielleicht Stirnrunzeln und verletzte Eitelkeit. Weniger Lächeln jetzt wahrscheinlich.
Interessante Situation, oder nicht? Das ehemalige Opfer schreibt seine Geschichte, und Gedanken, und Gefühle, und verarbeitet diese wahnsinnige Geschichte voller – ja – Irrsinn und nicht nachvollziehbarer Strategien – nicht nachvollziehbar für normal Sterbliche. Aber unsereins, getrieben von Kranken, und hinein bugsiert in die Krankheit, erleben auch eben in jener, kurz vor dem Kippen, eben in die weiten Ebenen voller Irrgärten aus Möglichkeiten, äußerst klare Momente, ohne die dieser Irrsinn gar nicht zu fassen wäre. Das ist doch interessant, oder nicht? Das ist nun einmal Leben vom feinsten. Wie heißen diese Figuren, Maruschka? Der sinnbildliche Gegensatz sozusagen. Ha. Ja. Leben wir hier keines folgen, zumindest heute nicht. Daher Gegensatz. Eh klar. Aber was ja nicht ist, kann ja noch werden.
Aber eines ist nun anders: Meine Gefühlslage. Tatsächlich. Entspannung unter dem Solar Plexus. Mir fällt nun leider nicht die deutsche Bezeichnung dieses Nervenzentrums ein. Bauch? Haha. Danke. Ja. Das ist wirklich besser. Also, wohin geht die Reise nun?
Unterdrückte Gefühle. Seltsame Geschichte. Freude. Wut. Traurigkeit. Und nun Gelassenheit. Seltsame Geschichte.
Die Umkehr
Also, das ist schon kurios: So viel Zorn über eine Situation, die in einer Sackgasse zu enden scheint, und in welcher unklar ist, auf welcher Wissensgrundlage die Frau gegenüber eine Position einnimmt, macht nachdenklich. Einerseits ist es natürlich gut, das Gefühl zu erleben, aber in dem Übermaß, dass ich nun direkt zur Weißglut komme, ist überraschend. Vermutlich löst sich da etwas. Auch wenn ich über die eingefahrenen Wege nachdenke, die ich eben innerhalb dieses „Rodeos“ durch denke. Das ist alles andere als gesund. Genährt – ohne allzu sehr ins Detail gehen zu wollen – wird dieser Zorn dadurch, dass ich den Verdacht hege, dass eben die Gegenüber etwas kategorisch ablehnt, und mein Vorschlag gar nicht mehr erwogen wird. Allerdings, allein der Umstand, dass ich immer noch darauf „herumreite“, zeigt ja deutlich, dass hier quasi der Schiffbruch getriggert wird. Sehr merkwürdig.
In den vergangenen Gesprächen und Sitzungen mit der Psychotherapeutin, vielen häufig die von ihr erwähnten Begriffe, wie Ohnmacht und Hilflosigkeit. Diese störten mich, tun es gewissermaßen immer noch. Es ist anders. es ist eine Art Ausgeliefert-Sein, das schon, aber es ist keine Ohnmacht und keine Hilflosigkeit. Da gibt es – zumindest für mich – einen hauchfeinen Unterschied. Die Sache ist ja die, in einer jeden Situation gibt es einen Ausweg, man kann ihn nur nicht benutzen in vielen Fällen. Oder ich wollte ihn nicht benutzen, nach kurzem Abwägen der Situation. Es ist schon so, dass man da einen Amokläufer auf sich zukommen sieht, und man im Grunde weiß, was nun passiert, doch die Entscheidung, sich zur Wehr zu setzen, wenn man ausgeliefert scheint, und dies dann zu ungeahnten Konsequenzen führen würde, …. im Gegensatz zu der eher milden Variante, diesen Gewaltakt kurzerhand über sich ergehen zu lassen, um dann weiter an Überlebens- und Vermeidungsstrategien zu feilen, ist ja meist schnell gefällt. Ich habe jetzt tatsächlich einen konkreten Fall vor Augen. Und vielleicht will ich mir wirklich nur, Ohnmacht und Hilflosigkeit in jener Situation nicht eingestehen, und doch nur eine milde Form von Ausgeliefert-Sein – egal welche Entscheidung man trifft/ ich getroffen hatte, doch wäre die Alternative wahrscheinlich schwieriger zu handhaben gewesen.
Egal, jetzt. Das ist schwierig und mühselig und gewissermaßen auch überflüssig. Doch es scheint, da hatte sich gerade, wenn es um diese feinen Spitzen der Bevormundung geht, also aktuell, quasi ein riesiger Felsbrocken gelöst und mächtig Wirbel verursacht. Ich weiß nun gar nicht, ob ich das veranschaulichen konnte, doch wird mich dieses Thema durch den heutigen Tag sicher noch begleiten, von daher ist es noch nicht zuende.
Während ich das Vorhergehende so schrieb, viel mir ein, was meine Lehrerin, nach der ersten Schulklasse, sinngemäß in mein Zeugnis geschrieben hatte: „… setzt sich bei Konflikten energischer durch, als es nötig wäre.“ Tja, da schließt sich dann wohl ein Kreis.
Samstag, 25.07.2026, 5:05 Uhr
So wie das heute Nacht aussieht, lehne ich mich in den Stuhl zurück und lasse mich – ein kleines bisschen – von alten Gewohnheiten beherrschen: Die Nacht durchmachen, auf verschiedenen Ebenen Erotik und Pornographie konsumieren, und etwas arbeiten. Tatsächlich nenne ich das „Urlaub“. Im Urlaub arbeite ich. Doch ich lebe im Urlaub – in meiner eigens kreierten Fassung – vor allem nachts. Das ist richtig Erholung für mich. Es ist keine Erholung, an fremde Orte zu gehen und ausschließlich fremde Menschen um mich herum zu haben. Und jedes Jahr an den selben, weit entfernten Ort zu fahren, aknn ich mir aktuell nicht leisten, und außerdem würde ich das auch gar nicht wollen – ich brauche kein Alternativ-Zuhause. Ich bin glücklich hier.
Sowieso: Es geht bergauf. Auch was die Arbeit angeht. Durch mein Wesen habe ich einen 1400 Euro Auftrag an Land gezogen – quasi. Ein Tauschgeschäft. Es kostet mich Mühe, Knowhow und etwas Geld, und erhalte dafür einen Kurs in Tai Chi. Das ist wertvoll. Wertvoller geht es kaum.
Nun, was die Pornographie auf verschiedenen Ebenen angeht, das muss ic erläutern. Tatsächlich ist das meiste von diesem Inhalt nicht sexuell stimulierend. Mehr noch, we das stimulierend findet, ist ein problematischer Charakter. Tatsächlich wurde ich Zeuge, auf einer Cam und Chat Plattform, wie jemand – offensichtlich ein Mann, Geld bezahlte, um zu sehen, wie eine Frau auf seine „Bestellung“ hin, drei Mal geohrfeigt wurde.
Zudem war die Frau nackt und lag mit gespreizten, in die Luft gestreckten Beinen auf einem Liegestuhl und sollte zwei Männern als sexuelles Objekt dienen. Und den etwa tausend Zuschauern ebenfalls. Das ist der Tod der Erotik. Ich meine, gut, mein Empfinden von Erotik ist seit fünfundvierzig Jahren am Absterben, und was ich schon alles gesehen hatte, und was mich in meiner damaligen Sexsucht erregt hatte, ist auch mehr als nur fragwürdig, aber was soll man machen? Was soll ich machen? Ich habe Grenzen getestet, so viel ist sicher, un dzum Glück gibt es auch so etwas wie Verjährungsfristen, doch ich habe nicht übertrieben. Also ich habe niemandem direkt geschadet. Dass der Westen – was der Rest der Welt oder wir unter Westen verstehen -, was den Mainstream angeht, kaputt ist, steht außer Frage. Und in sexueller Hinsicht ist das auch der Fall; wobei Generation Z angeblich die Risse kittet, wenn ich das richtig verstanden habe; wenig bis gar kein Sex, bis in ein Alter, wo es schon Menschen gibt, die in diesem Alter bereits Großeltern waren. Das klingt nicht unbedingt vernünftig, doch konsequent. Und macht Hoffnung. Es wäre mehr als nur zum Heulen gewesen, wenn diese Generation, nicht nur mental und psychisch durch Soziale Medien lahmgelegt worden wäre, sondern auch noch sexuell verkommen, wie diese Generationen an verklemmten Mitläufern, Schweigenden und Gefühle-Unterdrückern.
Ist das nicht traurig, was ich da schreibe? Das ist gar keine Verbitterung, zumindest im Moment nicht, … es ist auch kein Zynismus, dafür bin ich zu sanft. Es ist wohl meine Art der Wahrnehmung und Mittel der aufkommenden Desillusionierung.
Na ja. Wie auch immer ich das mit intellektuellen Mitteln hinbiegen möchte, um dennoch einigermaßen intelligent rüber zu kommen, hat natürlich Methode. Wer, wenn nicht wir (ehemalige) opfer von psychopathisch-sadistischen Narzissten, weiß besser, wozu Anerkennung gut ist. In so einem Fall, wie eben in der Beschreibung einer meiner, weit nach meiner Geburt, quasi manuell hinzugefügten Erziehungsberechtigten, ist positive Anerkennung wie Wasser, nach einem Tag ohne, in der Gluthitze eines Neosommers. Wow. Wie gescheit ich doch bin: Neosommer. Aber passt ganz gut. Tatsächlich muss ich gar nicht ironisch, ja selbstironisch werden. Viele irritiert das soweiso: Da ist ein Mann, der einer ist, und wie eine Frau kommuniziert? Verstehen die wenigsten (Männer).
Die letzten Wochen waren enorm interessant. Die Therapie flog mir quasi in dr Form überraschenderweise um die Ohren, als dass ich mich in einer ziemlich ausufernden Störung wiederfand. Diese wäre wahrscheinlich sowieso über mich hereingebrochen, und wahrscheinlich ahnte ich auch, dass sie auf mich zu kommen würde, denn warum sollte ich mir sonst aus heiterem Himmel (wieder) eine Diplom-Psychologin als chronische Gesprächspartnerin suchen? Wie dem auch sei, diese kleinen eloquenten Aufblitzereien, sind quasi das Ergebnis dieser durchgemachten Nacht: Etwas Auftrieb, psychisch. Schlafentzug. Ganz einfaches Hausmittel.
Das mit dem übermäßigen Erotik- und Pornographie-Konsum erklärt sich dann auch sehr schnell: Das war ein enormer Entwicklungsschub. Und um den abzufedern, gehe ich noch einmal etwas zurück, also einfach um mich etwas heimisch zu fühlen. Jaaa. So ist das.
Nun werde ich einmal eine Pause machen und die Beiträge von dieser Ex-Bankerin und Ihren Finanztipps in mich aufsaugen. Nicht, dass ich Bankerinnen und Bankern Vertrauensvorschuss garantieren würde, aber Ex-Bänkerinnen und -Bankern schon eher. Vor allem, wenn diese sich halb-öffentlich gesellschaftskritisch äußern und sinnvollerweise Poltikverdruss nicht nur zur Schau stellen, sondern auch noch in einer Art Analyse erklären.
Sonntag, 26.07.2026, 16:30 Uhr
Das sind die raren Momente: vier, fünf Minuten nach dem Orgasmus. Nicht, dass sich etwas ändert, oder geändert hat. Na, de Wunsch nach Sex ist reduziert. Aber das war er während dem Onanieren auch. Die Frage ist nun wirklich, warum genau ich das schreibe? Irgendetwas treibt mich um. Das Wasser braucht noch einen Moment, bis es kocht. Der Wind weht durch die Stadt und rauschende Bäume begleiten das – wie die Frau von der Stadtverwaltung meinte – zeitweise Maschinengeräusch im Hintergrund. Nach dem Orgasmus. Vor dem Orgasmus. Während dem Orgasmus. Sex ist für mich tot. Zumindest war so unmittelbar nach dem Höhepunkt so mein Eindruck, über die Situation. Na ja, so empfinde ich das eben jetzt, Single, allein daheim, sozial zurückgezogen, entspannt mach dem Training und Unterricht, mit leichten Kopfschmerzen, und etwas übermüdeten Augen. Das Wasser kocht.
Also, warum schreibe ich das? Weil ich möchte, dass man mich versteht, und insbesondere, weil ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe.
Hoffnung?, fragte da jemand? Nein? Jeder hofft. Auf eine Art und Weise. Seit dem Zeitpunkt, da uns bewusst wird, dass wir jederzeit sterben können, spielt es keine Rolle mehr. Seit wir aber nur wissen, dass wir jederzeit sterben können, hoffen wir, und sei es nur insgeheim, dass wir noch nicht so bald, oder bestenfalls doch wie es eigentlich sein sollte – oder auch nicht – sterben mögen. Aufhören zu hoffen, heißt, das Leben leben.; zumindest im Kontext des Todes. Hoffen wir, vermeiden wir zu leben. Wir vermeiden im Grunde – und das wohl oder übel aus Unwissenheit – die Transformation von Wissen zu Bewusstsein. Danke, Doktor Manfred Kuhnle. Ich erwähnte ihn ja bereits im ersten Buch, er riet mir, als Gegenmittel zu wenig Lebensenergie: „Bewusst leben.“
Die Fliege fliegt durchs Zimmer. Aus dem Wohnbereich, in den Arbeitsbereich und wieder zurück. Sie ist Musik in meinen Ohren, wenngleich es äußerst lästig ist, wenn sie dann, wenn man im Halbschlaf ist, im Minutentakt im Gesicht absetzt. Kennst du ja bestimmt.
Schön, wenn man Gemeinsamkeiten hat. Hahahüstel
Na ja, die Fliegen. Die Gemeinsamkeiten. Und der Tod. Nein, mir ist nicht langweilig. Ich genieße den Sonntag Nachmittag, und schreibe, was ein Ehemals Sexsüchtiger so denkt und fühlt, wenn er die „guten, alten Zeiten“ wiederaufleben lässt. Ein bisschen, so wie 80er-Jahre Musik hören. Tut gut, ab und zu.
Tatsächlich ist Sex nicht tot für mich. Ich weiß das. Mir ist es nur nicht bewusst. Bewusst wird es mir, wenn ich mich in eine Frau verliebe, und wie bei M. im Garten der Psychiatrie, ihr süßer Duft in meine Nase steigt und ich eine Erektion bekomme, wenn wir fünf Zentimeter voneinander entfernt stehen. Das ist der Unterschied.
Nun, es sind mehrere Fliegen. Und seit M., war eine Schwärmerei für S., danach eine verbale Affäre mit einer Frau, mit türkischen Wurzeln. Das ist normal. Das fand dann in einem Zeitraum von zwei Jahren statt, in welchem ich nicht nur äußerst aktiv, sondern auch sehr aufgeschlossen war. Und abstinent. Von Pornographie. Das ist erwähnenswert.
Jetzt stehe ich da, sitze vielmehr auf dem Stuhl, welcher angeblich in einem Regierungsgebäude in Bonn genutzt worden war, und schreibe. Ich s chreibe. Und schreibe. Und die Fliegen summen umher. Und der Deckel des Kochtopfs klappert. Es ist ein alter Kochtopf, den mir meine Nachbarin E. Von schräg gegenüber der Straße geschenkt hatte, zusammen mit einem kleineren. Sie haben Metalldeckel. Und keine Öffnung, durch welche der Wasserdampf entweichen könnte, so wie bei Glasdeckeln dies der Fall ist. Es ist, wie kochen in den 80er Jahren. So alt sind die Töpfe bestimmt. Der Wind rauscht durch die Bäume, über mir ist Tumult, schon wieder vorbei, vielleicht eine Biene, welche meine Nachbarin Frau S. Möglicherweise erschreckt hatte.
Fliegen sind ja keine Bienen, hm, ja, allerdings bin ich froh, dass überhaupt noch welche da sind, oder wieder. Auf dem Regal in der Ecke links steht ein Glasgefäß mit Mehl, ein Fliegennest quasi. Die Spinnweben, und natürlich die Spinnen drumherum, lasse ich mittlerweile auch gewähren. Ich schaue mir diese oft an, und denke dann daran, dass ich bald mal streichen sollte. Seit dem Jahr Zweitausendneun lebe ich jetzt hier. Über siebzehn Jahre. Noch nie habe ich irgendwo, so lange gelebt. Noch nie habe ich so unterschiedlich in einer Wohnung gelebt. Verblüffend. Ich muss mal die Balkontür aufmachen. Die Fliegen werden ganz schön laut. Und der Kochtopf klappert auch schon lange.
Kochen kann man, wenn man im Jetzt lebt, und ohne Uhr klar kommt. Und, wenn man will, also nicht müsste. Kochen muss man nicht. Man kann ja auch warm machen. Doch dann waren die ungefähr fünfzehn Fliegen in dem ehemaligen Fleischbehälter dann doch etwas viel. Doch ich koche gerne, zurzeit zwar nicht wirklich abwechslungsreich, doch alles, was es an Nudeln, Reis und wenigstens unbehandeltem Gemüse so gibt im Discounter oder Supermarkt. Fünfzehn Fliegen. Haha. Einen Moment lang hatte ich die Idee mit dem Fliegennest dann schon bereut.
Mir ist übrigens aufgefallen, oder eingefallen, was ich hier tue. Es ist vergleichbar mit „Christine F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Ich werde das noch einmal lesen müssen, um zu wissen, was man uns da in der fortführenden Schule zugeführt hatte. Prinzipiell ja eine gute Idee, doch irgendwie ist das vergleichbar mit der Hausapotheke einer psychiatrischen Station: Wir geben mal dies, und sehen ja dann.
Der „Ton“ der mitschwingt, bei diesem letzten Satz,gefällt mir nicht. Ich bin nah dran, eine gewisse Verbitterung dahingehend zuzulassen, um mit der Angelegenheit >>irgendwie<< umzugehen. Aber so macht das auch keinen Sinn.
Das Problem: Ich bin auf einen medizinischen Sektor gewissermaßen angewiesen, auch wenn ich nur das Nötigste in Anspruch nehme.
Doch jetzt werde ich plötzlich müde. Seit zwanzig Stunden bin ich nun wach und habe endlich mal wieder gegessen. Sechst Stunden lang war da keine Futterzufuhr.
27.07.2026
So ein bisschen, ist die Situation schon – jetzt im Moment oder die letzten Tage über -, schreiben, als gäbe es kein Morgen. Und doch dreht sich die Welt weiter, und unsereins, wir, die ehemaligen Opfer, können uns nur wundern. Wundern ist gut, wundern verschafft Gelassenheit. Nach der Überraschung, der Schock, dann die Wut, samt Rachegelüsten, und dann die Ernüchterung bis zur Verbitterung, und nun also Gelassenheit. Ja, das klingt ganz logisch. Trauer gab es auch, und heute sogar Sorge. Dies ist übrigens die Ausnahme, es ist ja mein Buch. Also, diese Tagbuch-ähnlichen Eintragungen, welche für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Nun, Trauer war da, weil ich mit meiner Familie brechen musste. Und Sorge, heute, war die, dass ich mich fragte, wie sich der Adoptivvater dann wohl auf dem Sterbebett fühlen werde müssen. Wird ja kein Weg daran vorbeiführen, zu verinnerlichen, dass man von diesem angehäuften Geld und Dingen nichts mitnehmen kann. Also, wie wird das für ihn sein? Dann? Wenn klar ist, das war es?
Wenn die Sorge aufkommt
…. wahrscheinlich war es das dann noch nicht. Nicht, dass ich es wüsste, aber ich gehe davon aus mittlerweile, dass wir alle wiederkommen. Dass es mit einem Leben nicht getan sein wird. Das mit der Seele, also intensive Auseinandersetzungen mit mir Selbst haben dazu geführt, diese Annahme zu verinnerlichen. Die Seele als Form der unsterblichen Energie? Was genau ist nun Energie, in diesem Kontext? Darauf lasse ich mich jetzt aber nicht ein. Das kann jede oder jeder, die oder der will selbst ermitteln. Das macht Spaß, denn so ein Konzept – und das ist jetzt mein Ernst – schafft richtige Gelassenheit. Nicht materielle Güter, sondern das Konzept – soweit möglich – des Lebens zu erforschen und sich weitgehendst für das sinnigste Konzept zu entscheiden, und die Kanten zu schleifen. Ja, denn wenn die Seele unsterblich ist, dann ist der Tod keine Gefahr mehr. Wenn die Seele wiederkommt, dann gilt es ja auch Verantwortung zu übernehmen, wenn man allein ist. Und so stellt sich langsam aber sicher Gelassenheit ein. Und dann ist auch der Werdegang kein Spießrutenlauf mehr, dann ist der – mein – Werdegang ein Weg, zwar des Leids, aber auch der Selbsterkenntnis und inneren Auseinandersetzung mit dem Leben und seinen Wegen und Abwegen. Dann gibt es keinen Holzweg mehr, und keine Fehler, dann ist alles voller Sinn und Zweck, und dann ist beispielsweise das Loslassen von Materie, sei es nun der Wunsch nach einer Immobilie, oder der Blu-ray-Sammlung, oder dem eigenen Körper, keine Schwierigkeit mehr, sondern, nur noch Mittel zum Zweck, lange genug zu leben, um lange genug zu leben. Um dann – das ist jetzt Taoismus in religiöser Form – um die eigenen Fehler seines oder der Vorfahren Leben wieder gut zu machen, und sich selbst weiter zu entwickeln.
Na gut. Das klingt alles anch Esoterik. Ist dem aber nur so, wenn man sich der Materie absolut fremd fühlt. Nein, Esoterik ist das nicht. Das ist mein Sinn des Lebens. Darüber denke und fühle ich mehr oder weniger sporadisch seit über dreißig Jahren nach. Und es ist kein Geheimnis: Ich mache dies mithilfe von jahrtausenden Jahre alten Beobachtungen und Weisheiten aus dem fernen Osten. Einfach, weil diese Kultur mir am nächsten liegt. Aber gut.
Nun ist es so: Die Sorge, was jemand, der mir jahrzehntelang sadistisch orientiertes Leid zugefügt hat, auf dem Sterbebett wohl fühlen wird, ist normal für mich. Es ist auch so, dass es nicht schlecht ist. Es ist normal, was da passiert ist. So formte sich eben das – mein – Leben. Ich sehe es auch nicht als Strafe, oder dass dies die Strafe sein wird, durch eine höhere Macht, oder einen Gott. G. ist wer er ist, und er tut, was er eben tut – ich kann es nicht gutheißen. Das ist aber nur meine Sicht der Dinge. Meine Familie scheint das anders zu sehen. Das ist aber widerum nur die Sicht von deren Standpunkt. Also, Wahrnehmung gegen Wahrnehmung? So ist das. Was G. weiß? Er weiß nicht, was er tut. Er weiß, was er will. Und er setzt alle Mittel ein, um das zu erreichen. Das ist sein Problem. Oder besser gesagt, das wird – meiner Ansicht nach – sein Problem werden.
Was hat das alles mit mir zu tun? Ich bin froh, darüber, wie ich mich entwickelt habe. Ich bin wirklich froh, dass ich überlebt habe. Ich bin wirklich froh, dass ich all diese Erfahrungen hinter mir habe, und quasi deren Essenz mit mir trage. Eben, weil ich hingesehen hatte, und weil ich mich erniedrigt hatte, und weil ich mich wieder aus dem Sumpf befreit hatte. Und all dies, ohne allzu großen Schaden genommen zu haben. Nun gut, einen Kollateralschaden hat es schon gegeben, diese Schizoaffektive Störung ist kein Kinderspiel…. doch diese Störung ist kein Ballast. Sie ist eine Bereicherung. Das ist keine Floskel. Das ist meine Sicht auf dieses Leben und meinen Weg.